Interview mit Kabarettist Django Asül

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„Als 20-Jähriger hätte ich mich wahrscheinlich erst gewundert, auf was für einen hochwertigen Schmarrn einer in den 40ern kommen kann.“

Mit seinem neuen Programm „Offenes Visier“ sorgte Django Asül am 22. November für schallenden Applaus und herzhafte Lacher im ausverkauften Bad Griesbacher Kursaal.

Magdalena Schäufl vom Gäste- und Kur-Service Bad Griesbach hat mit dem gebürtigen Hengersberger ein Interview geführt. Er verrät uns, was er mit Bad Griesbach verbindet, wie sich die Niederbayern begeistern lassen und wie sein erster Auftritt war. Doch lesen Sie selbst und tauchen Sie in die Welt des Kabaretts ein.

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie Bad Griesbach hören?
Django Asül: Da denke ich an einen mondänen Kurort. Bad Griesbach wurde ja schon mehrfach kopiert. Von Bad Monte Carlo bis Bad St. Moritz gibt es unzählige Nachahmer, die natürlich alle nicht an das Original ran reichen. Das besondere Flair ergibt sich ja aus der niederbayerischen Prägung. Außerdem ist Franz Beckenbauer Ehrenbürger von Bad Griesbach. Auch da können Monte Carlo und St. Moritz nicht mithalten. Die haben nur Heino und Inge Meysel als Ehrenbürger.

Welche Art von Humor zeichnet die Niederbayern aus?
Django Asül:Der Niederbayer mag es herzhaft und hintersinnig, aber dennoch direkt und gradaus.

Was haben Sie sich für Ihr neues Programm vorgenommen?
Django Asül: Auf alle Fälle 100 Minuten Gaudi auf hohem Niveau. Denn ohne Niveau hat man in Niederbayern keine Chance. Da spreche ich als Hengersberger aus Erfahrung. Und vor allem bin ich mit dem nagelneuen Programm thematisch wirklich am Puls der Zeit. Phasenweise bin ich sogar der Zeit voraus.

Um was geht es in „Offenes Visier“?
Django Asül: Es geht tatsächlich um die Themen, die derzeit alle umtreiben: Wie schaffen wir Nachhaltigkeit? Und zwar auf allen Ebenen: Alltag, Mobilität, Reisen, Ernährung – bei allem spielt einerseits das Klima eine Rolle, andererseits aber auch unser Wohlbefinden selber. Drum gehe ich die Themen ganz konkret an mit der Frage: Wie lebe ich Nachhaltigkeit bei mir in Hengersberg? Daraus ergeben sich sehr schräge Geschichten. Der Zuschauer erfährt zum Beispiel, dass ich nur noch bei den direkten Nachbarn Urlaub mache, während die selber im Urlaub woanders sind. Und selbstverständlich tauchen viele Figuren im Programm auf. Ob das nun mein Stammtisch im Cafe Einhellig ist oder der türkische Spezl von meinem Vater. Außerdem geht es darum, dass ich selber mal Lehrer war. Und zwar als Wiedergutmachung, weil ich als Erstklässler sehr fies war zu Lehrern und Mitschülern. Im Prinzip ist Offenes Visier ein sehr bissiges, aber amüsantes Volkstheater geworden. Am meisten nehme ich mich selber auf die Schippe. Und es wird deutlich: Die Realität da draußen hat nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun.

Wer sollte „Offenes Visier“ auf keinen Fall verpassen?
Django Asül: Das sollte natürlich niemand verpassen, der hochaktuelle Themen hochgradig lustig aufbereitet erleben will. Und allen, die genervt sind von den vielen zähen politischen Diskussionen, sei gesagt: Es wird keine einzige Partei und kein einziger Politiker genannt. Denn das Leben abseits der Politik bietet die besten Geschichten. Von daher ist es ein Spektakel für die ganze Familie. Egal, ob jemand am Vortag die Tagesschau gesehen hat oder nicht.

Wäre Ihr 20-jähriges Ich von „Offenes Visier“ begeistert?
Django Asül: Oh, diese Frage hat mir noch keiner gestellt. Aber da ich mit 20 Jahren grad mal in die Sparkassenausbildung gestartet war, kann ich im Nachhinein sagen: Wahrscheinlich hätte ich mich als 20-Jähriger erst gewundert, auf was für einen hochwertigen Schmarrn einer in den 40ern kommen kann. Und dann gefreut, dass ich so eine Gaudi als Zuschauer miterleben darf. Vielleicht hätte ich dann auch beschlossen, es mit Kabarett zu versuchen. Bei mir kam der Entschluss nämlich erst mit 22 damals.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Kabarettbesuch?
Django Asül: Selbstverständlich. Das war Bruno Jonas 1993. Ich dachte mir: Wahnsinn, wie sich so einer den Text nicht nur merken kann, sondern auch noch spielerisch rüberbringt. Im nächsten Jahr darf ich bei einem schönen Anlass eine Laudatio auf Bruno halten. Wäre lustig gewesen, wenn mir 1993 jemand gesagt hätte, dass ich in 27 Jahren der Laudator von Bruno sein werde.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Auftritt? Wie war er?
Django Asül: Das war 1995 in einem Buchladen in Deggendorf. Die Bude war mit 80 Zuschauern hoffnungslos übervoll. Und ich kannte natürlich viele Leute im Publikum, weil ich die Tickets eigenhändig verkauft hatte. Ich startete quasi ausverkauft. Der Abend war lang, unstrukturiert und für beide Seiten lustig. Ich hatte hinterher das Gefühl: Da fehlt es zwar noch hinten und vorne, aber dran bleiben!

Wo holen Sie sich Ihre Inspirationen?
Django Asül: Inspiration kommt von überall. Ich lese gerne, ich schaue viel rum. Ich nehme generell viel wahr um mich herum. Und ich recherchiere Themen, die mich interessieren. Wobei die Herren von meinem Stammtisch im Cafe Einhellig schon auch sehr gute Anregungen liefern – meist unfreiwillig. Es ist schon sehr hilfreich, in einer Metropole wie Hengersberg zu leben.

Wer sind die wichtigsten Unterstützer für Sie?
Django Asül: Auch wenn es abgedroschen klingt: Es sind vor allem Leute, die mir schon seit Jahrzehnten sehr nahestehen. Neben der Familie sind das in erster Linie noch etliche Hengersberger. Aber ich habe auch zu einigen Kollegen wie Willy Astor, Wolfgang Krebs oder Rolf Miller einen sehr intensiven Kontakt seit Jahren, zum Teil sogar seit Jahrzehnten.

Wie wichtig ist für Sie die Work-Life-Balance und was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Django Asül: Je früher man erkennt, dass Regeneration wichtig ist, umso besser!
Ich gönne mir jeden Tag eine Ruhephase. Und ansonsten natürlich viel Sport. Joggen, Krafttraining, Tennis und lange Spaziergänge. Und natürlich ausgewogene Ernährung. Gerade in Tourneephasen lebe ich sehr strukturiert. Wer Geist und Körper nicht pflegt, wird schnell älter als es sein Geburtsdatum anzeigt. Denn der Zuschauer erwartet mich zu Recht in Bestform auf der Bühne. Es ist ja für einen Hengersberger auch eine besondere Ehre, in Bad Griesbach auftreten zu dürfen.

Sie sind auf den Geschmack gekommen und wollen Kabarett live erleben?

Fit in den Herbst mit Lachmuskeltraining – dieses „Gesundheitsangebot“ der besonderen Art gibt es jedes Jahr in Bad Griesbach: Der niederbayerische Thermalkurort lädt auch im November 2020 wieder zu Kabarett-Tagen mit Dr. Carsten Lekutat, Sissi Perlinger, Stephan Lucas, Lizzy Aumeier, Petzenhauser & Wählt und den Brettl-Spitzn ein. Weitere Informationen und genaue Termine erhalten Sie hier.

Interview und Text: Magdalena Schäufl

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